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Prof. Anthony Cragg – Rektor der Kunstakademie Düsseldorf

Rede zur Akademischen Feier am 2. November 2009 in der Aula der Kunstakademie Düsseldorf


Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kollegen, liebe Studenten! Ich heiße Sie herzlich zu dieser akademischen Feier zum Semesterbeginn Herbst 2009 willkommen.

Zuallererst möchte ich die neuen Studierenden, die ihr Studium hier bei uns jetzt erst aufnehmen, herzlich begrüßen und ihnen einen guten Beginn und viel Erfolg an der Kunstakademie Düsseldorf wünschen.

Auch den Studierenden, die neulich die Prüfung für den Klassenzugang bestanden haben und somit hoffentlich den Zutritt in die Künstler-Klasse ihrer Wahl gewährt bekommen haben, wünsche ich an dieser Stelle viel Erfolg bei der Fortsetzung ihrer Arbeit und gutes Gelingen.

Im Kreis unseres Kollegiums haben wir einige neue Mitglieder.
Als erstes möchte ich unseren neuen Kanzler Herrn Dietrich Koska herzlich willkommen heißen.

Es ist tatsächlich sein allererster Arbeitstag heute. Als Leiter unserer Verwaltung und Mitglied des Rektorats hat er eine extrem wichtige Funktion innerhalb dieses Hauses übernommen und ich hoffe, dass ihn seine Aufgabe hier mit Freude erfüllen wird.

Ich freue mich sehr auf unsere Zusammenarbeit und bin zuversichtlich,  dass wir die zukünftigen Herausforderungen an dieses Haus mit seiner Hilfe meistern können.

Ich möchte mich, im Namen des ganzen Hauses, bei Herrn Klaus-Werner Heinrich, der kommissarisch die frei gewordene Stelle unseres ehemaligen Kanzlers Peter Lynen während des letzten Jahres bis zum jetzigen Amtsbeginn von Herrn Koska übernommen hat, für seinen unermüdlichen Einsatz und seine Dienste für unser Haus während dieser Zeit bedanken.
Wir haben auch einige neue Professoren, die bei uns jetzt in diesem Semester ihre Arbeit begonnen haben, und ich möchte sie an dieser Stelle herzlich begrüßen.

Es ist mir eine besondere Freude, den Bildhauer Richard Deacon zu begrüßen, der seine Tätigkeit hier im Haus als Professor für Bildhauerei bereits aufgenommen hat, und der im übrigen dieselbe wohlklingende Aussprache wie ich hat.

Für den Fachbereich „Kunstbezogene Wissenschaften“ wurde Prof. Dr. Johannes Myssok auf die für uns sehr wichtige Professur Kunstgeschichte der Neuzeit berufen, auch er hat seine Tätigkeit hier mit Semesterbeginn aufgenommen und ich heiße ihn hiermit herzlich willkommen und wünsche auch ihm einen guten Beginn.

Ebenfalls für den Fachbereich „Kunstbezogene Wissenschaften“ hat Prof. Dr. Ludger Schwarte seinen Lehrstuhl für Philosophie angetreten. An seine Arbeit in dieser Akademie stellen wir alle große Erwartungen und sind sehr gespannt.

Damit haben wir - in dem schon sehr gut besetzen Fachbereich der „Kunstbezogenen Wissenschaften“ - zwei weitere hochqualifizierte Kollegen dazu gewonnen.

Der Maler Prof. Andreas Schulze, der schon seit vier Semestern mit einer Stellenverwaltung betraut war, und schon eine bemerkenswerte Klasse aufgestellt hat, wurde seit diesem Semester auf die Professur für Malerei berufen, worüber wir uns alle außerordentlich freuen.

Einen Riesendank an Herrn Professor Laurids Ortner, einen unserer vier „Bausterne“, der unsere neue Abteilung Baukunst auf eine unvergessene Art geprägt hat und bedauerlicherweise in diesem Jahr nach 22 Jahren seinen Lehrstuhl verlassen muss.

Glücklicherweise bleibt uns als Trost, dass er sich noch für einen unbesoldeten Lehrauftrag zur Verfügung gestellt hat. - Dies ist jetzt keine offizielle Verabschiedung, sie wird zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.

Unser langjähriger technischer Mitarbeiter, Herr Dirk Gottfried, verließ die Metallbildhauerei-Werkstatt, in der er unsere Studenten stets fachkundig betreut hat, nach 33 Jahren.

Wir möchten ihm für seine Arbeit und seinen Einsatz in diesem Haus ausdrücklich danken.

Wie wir ihn kennen, wird er seine eigene Arbeit mit großer Energie fortführen. Dafür wünschen wir ihm viel Erfolg und alles Gute für seine Zukunft.

Seit mehr als dreißig Jahren, in denen ich an dieser Kunstakademie tätig bin, laufe ich durch die Korridore des Hauses und freue mich von Herzen über die Architektur, meine Kollegen, die Studenten und die Arbeit, die wir hier machen.

Auch wenn mich die Pförtner nicht immer ganz so freundlich grüßten, wie sie es in der letzten Zeit getan haben, mußte ich nie darüber nachdenken, dass die Malerei eine Fluchtweggefahr darstellt oder dass die Bildhauerei grundsätzlich gesundheitsschädigend ist, dass es nicht gestattet ist, Tauben auf den Fenstersimsen zu grillen oder wie so eine Begrüßungsrede ablaufen soll und wer die Sonnenschirme und Liegestühle aufstellt.

Seit einigen Wochen sieht das alles ganz anders aus.

Es ist natürlich, dass man zu Beginn einer jeden neuen Aufgabe versucht, sich ein Bild von dem, was schon da ist, zu machen und gewisse Überlegungen anstellt, wie die historischen Entwicklungen zum jetzigen Zustand geführt haben.

Unser ehemaliger Rektor Markus Lüpertz hat eine lange Amtszeit gehabt und es ist selbstverständlich, dass er dieses Haus mit gewissen Werten und Gepflogenheiten geprägt hat.

Sie sehen, dass ich ab und zu mal einen Blick zur Eingangstür werfe, weil ich immer noch unter dem Eindruck lebe, dass er vielleicht doch wieder auftaucht.

Verzeihen Sie mir bitte, dass ich meine kurze Ansprache heute damit beginne, auf die Entwicklungen der letzten Zeit einzugehen, um die zukünftige Arbeit und Planung in den richtigen Kontext zu stellen.

Die meisten von Ihnen haben sicherlich mitbekommen, dass unser ehemaliger Rektor Markus Lüpertz in einer ungewöhnlich persönlichen und harten Art von der Presse angegriffen worden ist.

Es ist in der Tat nicht meine Rolle als Rektor dieses Hauses, ihn zu verteidigen, was ich im übrigen als persönlicher Freund und Kollege gern mache, aber Markus Lüpertz ist ein großer Junge und kann gut auf sich selbst aufpassen, er weist es immer von sich, die Rolle des Provokateurs zu spielen.

Er weiß wohl, wie manche auf seine Äußerungen reagieren, dass manche Menschen nicht seiner Auffassung sind.

Aber wenn diese öffentliche Kritik zum Teil ein falsches Bild von unserer Akademie wiedergibt, fühle mich verpflichtet, etwas dazu zu sagen.

Dafür muss ich jedoch kurz auf Markus Lüpertz Verdienste für diese Akademie eingehen.

Er hat die Akademie 1988 als Rektor (1986 als Professor) übernommen und das damals jahrelang umstrittene neue Hochschulgesetz in diesem Haus umsetzen müssen.

Dabei musste er die Studienordnung, Prüfungsordnung und die Fachbereiche entsprechend neu strukturieren.

Er musste die Akademie in ihrem heutigen Zustand in zwei Gebäuden konzipieren und die notwendige Raumverteilung, die Installation verschiedener Klassenräume, Werkstätten, der Bibliothek und der Architekturabteilung bewältigen.

- Er hat die finanzielle Basis dieser Institution in einer sinnvoll guten Zusammenarbeit mit dem damaligen Kanzler auf eine sehr solide Basis gestellt, das Haus von innen und außen renoviert und modernisiert und stets dafür gesorgt, dass die Stellen für Professoren und technische Assistenten in diesem Haus von hochqualifizierten Künstlern besetzt worden sind.
- Das sehen Sie an der heutigen Besetzung und der während seiner gesamten Amtszeit.

Er hat die Revisionen des Hochschulgesetzes immer mit einem besonderen Augenmerk darauf implementiert, dass diese gesetzlich verlangten Änderungen sinnvoll für dieses Haus umgesetzt werden konnten.

Und zuletzt hat er eine Schlüsselrolle dabei gespielt, dass nicht nur die Düsseldorfer Kunstakademie, sondern alle Kunstakademien in Deutschland es vermeiden konnten, das Bachelor- und Master-System in den Kunstakademien anwenden zu müssen und damit ein sehr erfolgreiches und weltweit beachtetes System vor dem Untergang bewahrt.

Warum ich das jetzt alles überhaupt noch einmal erwähne, ist der Versuch einer Objektivierung und Richtigstellung der Realität an dieser Akademie.

Dazu gehört, dass man etwas zu der Rolle der sogenannten neuen Medien an dieser Akademie feststellt.
Es ist die Düsseldorfer Kunstakademie, an der die beiden Schlüsselfiguren der Fotografie und Videokunst, Nam June Paik und Bernd Becher, ihre Professur ausgeübt haben.

Nam June Paik, der schon 1963 seine ersten Videoarbeiten in Wuppertal schuf, und Bernd Becher, der zusammen mit seiner Frau Hilla Becher in den 60er Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf studierte und später jahrelang eine Professur inne hatte.

Der eine hat Video überhaupt als Medium in die Kunst hineingebracht und der andere hat der Fotografie eine große künstlerische Bedeutung gegeben.

Unter seiner Leitung wurde die Becher-Klasse ein weltweit bekannter Begriff.

Aus dieser Klasse ist eine Generation von Künstlern hervorgegangen, die weltweit Beachtung findet.

Als Professor Bernd Becher unter tragischen Umständen starb, hat die Akademie Jeff Wall als seinen Nachfolger berufen.
Er war ein ebenfalls hoch angesehener Kollege und hat die Akademie aus persönlichen Gründen verlassen.

Die Fotoklasse wurde, Danach wurde die Klasse von Professor Thomas Ruff übernommen, der uns auch bedauerlicherweise verlassen hat. Die Fotoklasse wurde dann zeitweise von zwei Lehrbeauftragten, Benjamin Katz und Albrecht Fuchs, geleitet, während der Berufungsprozess sich vollzog. Heute wird die Fotografieklasse sehr erfolgreich von Christopher Williams geführt.

Zu keiner Zeit hat es einen Zweifel an der Richtigkeit einer Fotoklasse an dieser Akademie gegeben und es wurde nie etwas unterlassen, diese Stelle vollwertig zu besetzen und auch die Video- und Filmprofessur wird in nächster Zeit wieder besetzt.

Es gibt kein Vorurteil gegen die Medien Film, Fotografie und Video in diesem Haus, wir wollen sie zukünftig optimal ausrüsten, soweit es uns möglich ist und auch die Stellen optimal besetzen.

Was es aber gibt, ist eine gesunde antizyklische Skepsis gegenüber populären zeitweiligen Modewellen, schließlich muss man nicht alles mitmachen und ich glaube, dass nicht einmal Markus Lüpertz gegen Fotografie oder gegen Video gewesen ist, er war vielmehr entschieden pro Malerei und das sei ihm gestattet.

Nur weil eine neue Technik vorhanden ist, heißt das längst nicht, dass sie eine künstlerische Bedeutung hat. Es war Bernd Becher, der dieses immer wieder betont hat, sein Credo lautete immer: Kunst mittels der Fotografie.

Ich als Bildhauer andererseits besitze einen passionierten Glauben an die Bedeutung und Wichtigkeit der Bildhauerei, die sich von ihrer figurativen, Natur nachahmenden Auffassung am Ende des 19. Jahrhunderts gelöst hat und zu einem tiefgreifenden Studium der Materialwelt geworden ist.

Das gleiche gilt auf andere Weise für die Malerei.

Es gibt viele Menschen, die schlicht und ergreifend das Denken mit Material erlernen wollen, Maler und Bildhauer, und es ist unser öffentlicher Auftrag, dieses Studium zu ermöglichen, schließlich gibt es in unserer Gesellschaft keine Alternative, wo man das studieren kann.

Wenn es nur um Medien geht, gibt es Schulen, die ausschließlich Medien als Fach unterrichten und dort findet sich auch kein Platz für Maler und Bildhauer.

Es gab sogar den Vorschlag – und wie war das noch genau – dass die Welt ein besserer Ort sein würde, wenn ein Medienkünstler Kultusminister werden sollte - ach so, ist er schon - da sehen Sie, Sie haben doch recht gehabt, wir hinken tatsächlich der Zeit hinterher.

Unserer Kunstakademie ist nur die Kunst wichtig. Wie und mit welchem Werkzeug das gemacht wird, kann uns relativ egal sein.

Seien Sie versichert, dass wir in der Zukunft  alle möglichen Techniken, die es gibt und einige, die es noch nicht gibt, einsetzen werden, um  unserem Dasein und unserer Sicht der Realität Ausdruck zu geben.

Laut platonischer Vorstellung kann auch ein Wort aus unterschiedlichsten Materialien hergestellt werden und ist ein Kunstwerk, wenn es Bedeutung hat.

Um den Stellenwert der Fotografie in der Kunst und insbesondere an unserer Akademie zu fördern, werden wir im Herbst 2011 in der Akademie-Galerie eine groß angelegte Ausstellung mit dem Titel „Fotografie an der Düsseldorfer Kunstakademie“ zeigen.

Zur Zeit laufen sechs Berufungsverfahren.
Zwei Professuren für Malerei, eine für Bildhauerei, jeweils eine für Video und Film, Bühnenbild und Baukunst. Zu diesen Berufungen und den Berufungen, die in der nahen Zukunft ausgeschrieben werden, kommen zwei Gastprofessoren hinzu, die das vorhandene Lehrangebot jeweils für eine Dauer von zwei Jahren erweitern.

In diesem Semester findet eine Ringvorlesung unter dem Titel „Auge und Hand“ mit 11 Vorlesungen statt und das Fach Baukunst setzt seine Vortragsreihe mit dem Thema „Baukunstquartett“ von den Professoren Dudler, Ortner, Petzinka und Schultes, mit „Splitterwerk - Built Pictures“, sowie Bart Lootsma „Total Immersion“, Hermann Czech „Dinge, die nach nichts ausschauen“ und Thomas Demand „Über Ausstellungen von Thomas Demand“ fort.

Und unser Rundgang wird wie jedes Jahr am Semesterende stattfinden, die genauen Daten sind der 1. Februar für das Haus und der 3. bis 7. Februar 2010 für die Öffentlichkeit.

Wenn man die Besucherzahl des Rundgangs zum Beispiel des letzten Jahres mit etwa 30.000 Besuchern betrachtet, bekommt man eine Ahnung vom öffentlichen Interesse und vom Stellenwert dieser Akademie.

Auch wenn wir nie von uns sagen würden, dass wir die beste Akademie der Welt sind, ist es faktisch so, dass dieses Haus eine einmalige Rolle in der Kunstgeschichte gespielt hat.

Die lange Liste von Künstlern und Künstlerinnen, die dieses Haus hervorgebracht hat, ist einfach überwältigend.

Auch in der letzten Zeit macht die Anzahl der Künstler (ehemalige Studenten), die bei uns studiert haben und heute in nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten sind deutlich, dass wir eine große Tradition fortsetzen.

Gegenwärtig gibt es kaum Kunstakademien in Deutschland, die nicht mindestens einen, manchmal mehrere unserer ehemaligen Studenten und Kollegen als Professoren berufen haben.
Es gibt überall in Deutschland viele Akademien,  die mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als in der Vergangenheit, und auch neue Akademien, und das ist grundsätzlich zu begrüßen.

Schließlich sehen wir uns nicht in Konkurrenz zu diesen anderen Institutionen, wir sind selbstbewusst genug zu wissen, wer wir sind.

Trotz unserer großen Vergangenheit und unserer gegenwärtigen Erfolge gibt es kein automatisches Recht auf derartige Relevanz in der Zukunft.

Diese muss erarbeitet werden und dafür steht das Haus mit all seinen Mitteln zur Verfügung.

Selbstverständlich ist die künstlerische Freiheit unser höchstes Gebot. Unser Haus hat viel dafür getan, diese Freiheit zu verteidigen.

Keiner kann uns vorschreiben, wie wir zu handeln haben oder wie die Kunst, die wir machen, auszusehen hat.

Das müssen wir auf unsere unterschiedliche Art und Weise selbst bestimmen können und keiner ist gespannter darauf zu sehen, welche neuen Perspektiven und Bilder die Kunst in Zukunft schafft, als diejenigen, die selbst am Schaffensprozess beteiligt sind.

Künstler sind allein agierende Individuen, die ihre eigene Bild- und Objektwelt selbst erfinden und erschaffen müssen.

Der Antrieb dazu ist häufig eine tief sitzende Unzufriedenheit mit der Welt, in der sie sich befinden und der Wille etwas Eigenes, vielleicht Ideales dagegen zu setzen.

Dieses ist selbstverständlich nicht immer leicht.

Auch wenn man gewisse Fähigkeiten und Mittel zur Verfügung hat, agiert man ständig in einer Welt, deren Realität und Werte mehr und mehr von großen Verbänden in den Bereichen Politik und Wirtschaft vereinheitlicht und diktiert werden.
Aber gerade dann ist es von höchster Wichtigkeit, dass wir uns nicht daran hindern lassen, zu arbeiten, um eine Vielfalt individueller Weltsichten zu schaffen.

Wir schaffen eine differenziertere, kompliziertere und künstlerische Alternative zu der allgemeinen mittelmäßigen Materialwelt, die als Produkt akkumulierter Niedrigster-Gemeinsamer-Nenner-Entscheidungen entstanden ist.

Wenn manchmal versucht wird, die Kunst als etwas Nebensächliches  oder sogar Unwichtiges abzutun -  nichts ist der Wahrheit ferner.

Ihre Arbeit ist von großer Wichtigkeit.
 
Es gilt die Formen, Inhalte und Qualitäten der Zukunft entscheidend zu beeinflussen und sie nicht nur Politikern und Geschäftsleuten zu überlassen.

Auch wenn der künstlerische Schaffensprozess manchmal etwas Irrationales, Unerklärliches und gelegentlich Spielerisches an sich hat und im Vergleich zu den großen Herstellungssystemen der utilitaristischen Welt eine relativ kleine Produktion ist, verhält sich die Kunst wie ein Katalysator und ändert entscheidend den Ausgang des großen Geschehens.

Keiner von uns will in einer Welt ohne Kunst leben.

Daher ist, was Sie hier machen, von großer Wichtigkeit.

Wenn man erst 20 Jahre alt ist, erscheint die Perspektive eines 5-jährigen Studiums wie eine halbe Ewigkeit.

Sie werden überrascht sein, wie schnell diese Zeit an Ihnen vorbei geht.

Mein Appell an Sie ist, nutzen Sie Ihre Zeit hier, bereiten Sie sich auf die Welt vor, die außerhalb dieses Hauses auf Sie wartet.

Ich will hier nicht proklamieren, dass Sie es nie wieder so gut haben werden, wie in diesem Haus, aber hier ist für einiges gesorgt.

Die Räume, Betreuung, das allzu wichtige Miteinander gleichgesinnter junger Künstler und der künstlerische Geist dieses Hauses.

Die Freiheit und Offenheit, die Sie in dieser Akademie genießen, steht historisch fast ironischerweise im Gegensatz zu dem „Akademismus“ der Vergangenheit.

Es sind nicht mehr die Kunstakademien, die ihren Studenten eine bestimmte künstlerische Lehre aufzwingen, sondern es besteht die Gefahr eines internationalen Kulturbetriebs, der durch Kunstzeitschriften, Kulturmedien und eine marktorientierte Ausstellungspraxis die Formen, Inhalte und Erfolgsstrategien einer Monokultur verbreitet, die einem globalen „Akademismus“ gleicht.

Wir leben in einer Zeit, die süchtig nach schnellen Lösungen ist.

Kunst resultiert aus der Beschäftigung mit irgend etwas, das den Künstler tiefgründig interessiert.

Dafür ist eine Beobachtungsphase von großer Wichtigkeit.

Ein Hinschauen, ein Verstehen, ein Begreifen, ob in der Natur, der Wissenschaft oder Gesellschaft.

Für diese Beobachtung gibt es ganz unterschiedliche Methoden und Mittel.

Die künstlerische Reflektion über diese Beobachtungen wird  in den uns zur Verfügung stehenden Mitteln, Materialien und Medien umgesetzt.

Dies geschieht meist nach einem komplexen und ausgedehnten künstlerischen Prozess.

Der Maler, der auf seine Weise mit energischen pulsierenden Malquanten sein Bild malt.

Der Bildhauer, der das Material formt und ständig seine Arbeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, um neue Änderungen vorzunehmen.

Der Fotograf, der sein Motiv immer wieder aufnimmt mit feinen Nuancen von Komposition, Ausschnitt und Beleuchtung.
 
Der Video- oder Filmregisseur, der Szene für Szene schießt auf der Suche nach seinem Ideal. 

Ich wünsche Ihnen allen einen erfolgreichen Semesteranfang und vor allem viel Freude bei der Arbeit.

Und jetzt kommen wir zur Verleihung der Akademiebriefe und Meisterschülerurkunden und einer Promotion. Ich verlese nun die Namen und bitte die aufgerufenen Studierenden zu mir auf die Bühne. Im Anschluß daran vergibt Herr Prof. Dr. Bering die Promotionsurkunde an Frau Karina Pauls.