. .

Rede zur "Akademischen Feier" am 25.Oktober 2010

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kollegen, liebe Studenten. Ich heiße Sie herzlich zu dieser akademischen Feier zum Semesterbeginn Herbst 2010 willkommen.

Zuallererst möchte ich die neuen Studierenden, die ihr Studium hier bei uns jetzt aufnehmen, herzlich begrüßen und ihnen einen guten Beginn und viel Erfolg an der Kunstakademie Düsseldorf wünschen.

Auch den Studierenden, die neulich die Prüfung für den Klassenzugang bestanden und somit hoffentlich den Zutritt in die Künstler-Klasse ihrer Wahl gewährt bekommen haben, wünsche ich an dieser Stelle viel Erfolg bei der Fortsetzung ihrer Arbeit und gutes Gelingen.

Heute spielt für uns Frederike Möller am Klavier. Fünf Stücke von Isang Yun und Frank Zabel aus: Entrückte Gesänge „... nach Traumeswirren...“

Während der vergangenen 12 Monaten hatten wir das außergewöhnliche und wie ich finde sehr anregende Erlebnis mehrere neue Professoren hier im Haus zu begrüßen. Bereits vor einem Jahr haben die Professoren Richard Deacon und Andreas Schulze ihre neuen Klassen gebildet und sind schnell zu aktiven Bestandteilen unserer Akademie geworden.

Und im letzten Semester haben Professorin Tomma Abts, Professorin Katharina Fritsch, Professor Andreas Gursky, Professor Eberhard Havekost, Professor Marcel Odenbach und Professor Johannes Schütz alle ihre Tätigkeit aufgenommen und man merkt schon jetzt, dass dieser kleine Erdrutsch an Berufungen große Änderungen bedeuten und maßgeblich die Zukunft dieses Hauses und die von hier aus gehenden Impulse bestimmen wird. Änderungen und eine Zukunft, vor der wir keine Angst haben müssen und in der die Kunst eine wichtige Rolle zu spielen hat.

Und heute freue ich mich Professorin Katharina Grosse zu begrüßen, die eine Professur für Malerei innehat und ihre Tätigkeit in ihren neu restaurierten Klassenräumen aufnimmt. Willkommen - und wir wünschen Ihnen viel Erfolg und viel Spaß bei der Arbeit.

Ebenfalls begrüße ich herzlich die Architektin Jorúnn Ragnarsdóttir, die im Bereich Baukunst bei uns tätig sein wird. Herzlich willkommen und viel Erfolg und Freude hier an der Kunstakademie Düsseldorf.

Leider haben wir auch einen Abschied zu verzeichnen. Professor Laurids Ortner, der über viele Jahre an der Akademie im Studiengang Baukunst tätig war. Ich wünsche ihm für seine Zukunft alles Gute und viel schöpferische Kraft.

Dennoch ist das Haus nunmehr wieder mit 28 Künstlerklassen bestückt, das bringt unsere Akademie auf eine dem Haus und seiner Historie entsprechende Anzahl von Klassen.

So schön es ist, hier zu stehen und immer neue Professoren anzukündigen, muss ich fairer Weise darauf verweisen, dass das, was wir hier in der letzter Zeit - und in so kurzer Zeit - geleistet haben, das Resultat von viel Hilfe und konstruktiver Zusammenarbeit aller Kollegen hier im Haus ist, und ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei Ihnen allen für ihre Mitarbeit bedanken.

Und jetzt ist es mir wichtig, es Ihnen deutlich zu sagen: Wir sind durch!! Das Haus hat nun alle Ateliers belegt und wir sind, wie ich finde hervorragend besetzt. Jetzt gilt es, die Arbeit in dieser neuen Konstellation fortzusetzen, eine - wie ich es finde und hoffe - für alle aufregende Perspektive.

Seit Anfang April 2008 werden die Belange dieses Hauses durch das neue Kunsthochschulgesetz des Landes NRW bestimmt.

In der letzten Version dieses Hochschulgesetzes haben wir in der Tat ein größeres Maß an Autonomie und Entscheidungsfreiheit gewonnen.

Im Gegenzug mussten wir einen Ziel- und Leistungsvereinbarungs-
vertrag eingehen, in dem alle Fragen, wie z. B. die Anzahl der Studierenden und Professoren wir haben können, wie groß die Räume sind und wie alles finanziert wird, festgelegt wurde.

Andere Eckwerte und Ziele dieses Hauses wurden für die nächsten vier Jahre mit dem der Kunstakademie übergeordneten Ministerium ausgearbeitet und verhandelt.

Ich glaube, dass wir auf jeden Fall für die nächsten Jahre in gesicherten und stabilen Verhältnissen arbeiten können, dann wird es eine neue Runde geben.

Ironischerweise ist es im Moment tatsächlich so, dass die Kultur große Unterstützung durch Regierung und die städtische Gemeinde findet.

Da werden Museen gebaut und Ausstellungen gezeigt. Was an sich völlig in Ordnung ist, und es ist auch eine, wenn nicht von Herzen kommende Annerkennung der Tatsache, dass die Kunst der letzten Jahrzehnte großen Einfluss auf viele Menschen hat, und dass die Geschichte der Kunst der letzten Zeit eine Erfolgsgeschichte ist.

Allerdings wäre es aber ein fataler Fehler zu glauben, dass ihre Interessen und Ziele dieselben sind wie die von den Künstlern.

Kunst ist und bleibt verwurzelt in der Einmaligkeit von Individuen, die durch ihre künstlerischen Handlungen eine neue Sicht der Welt schaffen.

Künstler machen ihre Arbeit weil sie nicht bereit sind, gewisse Dinge, Umstände oder Aspekte der Welt in der sie existieren zu akzeptieren. Etwas passt ihnen nicht. Das führt sie dazu, als Individuen zu handeln, indem sie Material ändern, und diese Änderungen führen dazu, dass wir die Welt und unsere Existenz anders sehen und begreifen. Die einmaligen und originalen Einsichten, die Künstler schaffen, stehen im starken Kontrast zu der brutalen Zweckmäßigkeit vieler industrieller, politischer und sozialen Systeme.

Je wichtiger die Kunst wird, desto stärker wird das Interesse gesellschaftlicher Organisationen, daran Teil zu haben und sie zu beeinflussen. Diese zum Teil gutgemeinte und zu einem anderen Teil mit absolutem Zynismus betriebene Nutzung der Kunst stellt die größte Gefahr für unsere Kultur und vor allem für junge Künstler dar.

Solange sie in diesem Haus sind, nutzen sie die Zeit, um die Themen und Motivationen, die Sie interessieren zu untersuchen, reflektieren Sie über die sich daraus ergebende Formen und Inhalte, lernen Sie und praktizieren Sie die Umsetzung von Ihren Vorstellungen in die Materialien und mit den Techniken, die Sie wählen. Hier herrschen keine akademischen Vorgaben, hier haben sie große Freiheiten, wenn Sie sie ausnutzen wollen oder können.

Geben sie diese Freiheiten nicht einfach her, indem sie zu schnell ihre eigene Suche aufgeben, um die Trends der Zeit, einen alles konsumierenden Markt oder einer zum Teil sogar auf musealer Ebene gefälschten Kunstgeschichte nachzueifern.

Es ist billig, von Freiheit - künstlerischer oder anderer - zu reden, allerdings ist es nicht einfach, damit umzugehen. Freiheit ist nur wertvoll, wenn man die Grenzen erkennt und lernt, wie man das Beste aus ihr macht.

Um neue Horizonte zu sichten und damit die Grenzen unserer Erfahrungen und unseres Wissens erneut zu erweitern.

Die Freiheit, die ich mir für die Akademie vorstelle, hat mit den Idealen der Kunst zu tun - ein Haus, in dem künstlerisches Handeln und Denken uneingeschränkt stattfinden kann.

Wirkliche Freiheit findet im Kopf statt, wo die Vorstellungen, Träume, Fantasien und Ideen blühen.

Ich muss gestehen, dass ich selbst kein großer Freund übertriebener Ordnung bin, aber wie Sie alle schon bemerkt haben, mussten wir in der letzten Zeit eine Aufräumaktion durchführen, da die Situation in unseren Fluren überhand genommen hat. Wir wurden längst ermahnt von dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen, dem das Gebäude gehört, dass die Situation für uns konkrete Gefahr bedeutet und deshalb mussten wir nach vielen Beschwerden sowohl von Seiten der Professoren als auch der Studierenden etwas unternehmen.

Keiner hat das Recht, diese Akademie zu gefährden, zu verdrecken oder hier Sachschaden anzurichten.

Dies ist eigentlich selbstverständlich und hat mit künstlerischer Freiheit nichts zu tun.

Wir wollen es auch zukünftig ermöglichen, im Zuge der hier üblichen Arbeitsabläufe, dass Bilder kurzfristig in den Fluren gelagert werden können, allerdings in viel geringerem Ausmaß als in letzter Zeit. Und Herr Koska - unser Kanzler - hat, um die Situation zu erleichtern, eine Etage in einem nahegelegenen Gebäude als Lager für das nächste Jahr besorgt.

In diesem Jahr fand im Juli über drei Tage ein Sommerfest statt, das von Studenten organisiert worden ist und nach vielen Erzählungen ein großer Erfolg war. Ich stelle das mit Freude fest.

Wie Sie aus Zeitungsberichten in den letzten Wochen vernommen haben, verfolgen wir zur Zeit mit großem Nachdruck das Ziel, 40 Ateliers für Studierende zu beschaffen, die hier ihr Studium abgeschlossen haben. Diese würden 20 Studierenden im Jahr ermöglichen, ihre Arbeit für die Dauer von zwei Jahren fortzusetzen. Wir hoffen, die Stadt Düsseldorf zu motivieren, uns ein Gebäude zur Verfügung zu stellen und auf finanzielle Unterstützung durch das Land NRW für unsere Vorhaben. Soweit sieht es gut aus.

In einer anderen Sache, der Frage der Studiengebühren, haben sie alle schon die erfreuliche Nachricht bekommen, dass die abgeschafft werden sollen.

Dies ist in doppelter Hinsicht erfreulich für uns. Dieses Ergebnis ist sicherlich zum Teil ein Erfolg unseres ehemaligen Rektors Markus Lüpertz, der wieder im Alleingang diese Gebühren strikt abgelehnt hat, und die Tatsache, dass die uns fehlenden Anschaffungen und Programme, die wir auf Grund dieser Ablehnung hinnehmen mussten, zukünftig vom Land bezahlt werden.

Im Rahmen der Bemühungen, dem Lehramtsstudium bessere Bedingungen zu schaffen, werden Lehramtsstudenten ab 2011 einen Abschluss erhalten, der das Staatsexamen möglicherweise ersetzt und die Ausbildung auf ein international vergleichbares Niveau bringt.

Da wird noch viel diskutiert, und die endgültige Form, wie die Qualifikation heißen soll, scheint noch nicht gänzlich entschieden zu sein, aber bis zum Herbst 2011 bleibt noch Zeit, das zu klären.

Es ist eine Besonderheit der Ausbildung an unserer Akademie, dass unsere Lehramtsstudierenden unter den gleichen Atelier- und Klassenbedingungen arbeiten, wie die Studenten der freien Kunst.

Kunstgeschichte, Philosophie, Pädagogik, Didaktik der bildendenSie haben natürlich eine Reihe anderer Fächer zu absolvieren, vornehmlich Künste, Soziologie und Poetik und künstlerische Ästhetik.

Diese Fächer stehen allen Studierenden offen.

Auf der anderen Seite haben wir unseren Studiengang Baukunst, wo sich die Studierenden, die zu uns kommen, schon mindestens mit einem BA qualifiziert haben müssen.

Dieses Studium führt auf eigenen Wunsch zu einem Masterabschluss.

Heute wollen wir erneut einige der Menschen ehren, die der Akademie große Dienste geleistet haben. Es ist mir eine besondere Ehre und ein großes Vergnügen die Ehrenmitgliedschaften zu verleihen.

Als erstes möchte ich jemanden begrüßen, der hier eine wichtige Klasse mit Studenten wie Thomas Schütte und Isa Genzgen hatte, als ich 1979 als Dozent im Orientierungsbereich anfing. Gerhard Richter.

Herrn Professor Gerhard Richter
Herrn Professor Hans Hollein
Herrn Professor Karl Kneidl

Mit der Verleihung dieser Mitgliedschaft wollen wir unsere tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen.

Nach der sehr beeindruckenden und schönen Ausstellung unseres Architekten-Quartetts im Frühjahr in der Akademie-Galerie hat Professor Siegfried Gohr eine weitere sehr schöne und interessante Ausstellung mit dem Titel „Mit Kopf und Hand - Variationen zur Zeichnung“ kuratiert, die seit dem 11. September zu sehen ist. Eine Zeichnungsaustellung von ungewöhnlicher Qualität.

Wir freuen uns, dass die Ausstellungen, die in der Akademie-Galerie präsentiert werden, zunehmende Beachtung finden.

Eine kleine Korrektur muss ich allerdings vornehmen. Ich habe während unserer letzten akademischen Feier eine große Photographie-Ausstellung für 2011 angekündigt. Angesichts der Tatsache, dass in Düsseldorf zur Zeit einige Ausstellungen zu diesem Thema stattfinden, haben wir dieses Vorhaben verschoben. Wir werden die Ausstellung später machen, es wird eine Ausstellung zum Thema Photographie in der Kunst, damit wird das spannende Verhältnis der Photographie zur Malerei und Bildhauerei, wozu diese Kunstakademie einen historischen Beitrag geleistet hat, thematisiert.

Wir werden damit die erste von drei Ausstellungen, die die Entwicklung der Malerei seit 1950 zeigt, vorziehen.








Rektor
Prof. Anthony Cragg
Telefon: 0211/1396-217

Prorektoren
Prof. Dr. Siegfried Gohr
Telefon: 0211/1396-217
Prof. Georg Herold
Telefon: 0211/1396-219

Sekretariat
Christiane Weiser
Telefon: 0211/1396-217
Raum: 103

Kanzler
Dietrich Koska
Telefon: 0211/1396-220
Raum: 131.2

Sekretariat Kanzler
Sigrid Bleckmann
Telefon: 0211/1396-221
Fax: 0211/1396-225
Raum: 131