Rede zur Sommersemestereröffnung 2010
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kollegen, liebe
Studenten.
Ich heiße Sie herzlich zu dieser akademischen Feier zum
Semesterbeginn Frühjahr 2010 willkommen.
Heute spielt für uns das „UWAGA“ Quartett.
Vielen Dank dem UWAGA Quartett. Es spielten Maurice Maurer –
Violine, Christoph König – Violine, Miroslaw Tybora – Akkordeon und
Markus Conrads – Kontrabass.
Wir werden nachher ein weiteres Stück von ihnen hören.
Wie Sie in diesem Semester schon bemerkt haben, haben bereits
einige der im letzten Semester angekündigten neuen Professoren ihre Tätigkeit in diesem Haus begonnen.
An dieser Stelle möchte ich Professorin Tomma Abts, Professorin
Katharina Fritsch, Professor Andreas Gursky, Professor Eberhard
Havekost, Professor Marcel Odenbach und Professor Johannes Schütz alle herzlich begrüßen.
Ich wünsche diesen neuen Kollegen einen guten Beginn und viel Erfolg bei ihrer Arbeit hier im Haus und vor allem viel Freude bei ihrer Arbeit.
Wie Ihnen bereits bekannt ist, werden wir im Herbst weitere neue
Kollegen begrüßen können.
Damit wird das Haus mit 28 Künstlerklassen bestückt, das bringt
unsere Akademie wieder auf eine dem Haus und seiner Historie
entsprechende Anzahl von Klassen.
Eine Folge dieser Wiederherstellung von Klassen ist, dass einige
Klassen einen Raum abgegeben haben und in manchen Fällen
umziehen mussten.
Die dadurch entstandene Störung ist bedauerlich aber notwendig
gewesen, um das Klassenangebot des Hauses zu erweitern.
Die Räumlichkeiten einer Klasse bestanden in der Vergangenheit
immer aus einem großen und einem kleinen Atelier, damit war die Größe aller Klassen ungefähr gleich, wie es auch heute der Fall ist.
Ob Klasse Becher, Beuys, Richter, Graubner, Krieg, Klapheck, Paik,
Rückriem, Penck, Schwegler und alle anderen aus der Historie
bekannten Klassen – alle arbeiteten in der heutigen Raumgröße.
Wie ich in den letzten Monaten in viel mehr Einzelheiten erfahren
musste, als mir eigentlich lieb gewesen ist, sind Fragen wie z.B. wie viele Professoren, wie viele Klassen es geben sollte, wie groß die Räume sind, wie das alles finanziert werden soll und die vielen anderen Parameter des Hauses, aus Diskussionen und Verhandlungen mit dem der Kunstakademie übergeordneten Ministerium entstanden.
Es gibt einen Grund, warum ich das Wort „übergeordnet“ betone. Es ist Ihnen nämlich sicherlich nicht aufgefallen, dass ich mich ab und zu mal verspreche.
Aber neulich in einem Gespräch mit hohen Beamten des Ministeriums
sprach ich von‚ dem der Kunstakademie untergeordneten Ministerium’. Das ist natürlich nicht ganz richtig, aber führte dazu, dass ein führender Beamter sagte „So so, das ist ihr Ziel, die „unabhängige freiheitliche Republik Kunstakademie Düsseldorf “.
Also endlich hat irgendjemand es kapiert. Ich finde, wenn man sich
schon verspricht, dann mit Überzeugung. Und ich verspreche Ihnen
auch, mich in Zukunft im Sinne der Kunstakademie weiter hin zu
versprechen. Das mag für manche von Ihnen etwas beunruhigend wirken, aber seien Sie unbesorgt, seit Anfang April 2008 werden die Belange dieses Hauses auch durch das neue Kunsthochschulgesetz des Landes NRW bestimmt.
In der letzten Version dieses Hochschulgesetzes haben wir in der Tat
ein größeres Maß an Autonomie und Entscheidungsfreiheit gewonnen, aber im Gegenzug mussten wir einen Zielund Leistungsvereinbarungsvertrag ausarbeiten und verhandeln, der die Eckwerte und Ziele dieses Hauses für die nächsten vier Jahre festlegt. Das ist eine große Aufgabe für unseren noch neuen Kanzler Dietrich Koska gewesen, die er mit großer Intensität zustande bringen musste.
Und ich möchte ihm an dieser Stelle für seinen Einsatz danken.
Ich möchte es Ihnen ersparen, hier die ganzen Einzelheiten
vorzutragen und nehme nur zwei daraus resultierende Aspekte heraus, die für dieses Haus von Bedeutung sind. Der erste ist, dass die Zielund Leistungsvereinbarung die Möglichkeit eines weiteren Studiums nach dem Abschluss hier im Hause enthält, die so genannte „Dritte Studienphase“.
Wie neulich in der Presse erschienen ist, wird zur Zeit darüber nachgedacht, wie ein solch zweijähriges weiteres Studium auszusehen hat und wie wir so eine Einrichtung realisieren könnten.
Es handelt sich hier keineswegs um ein Elite-Atelier, es geht vielmehr
um ein Aufbaustudium, wie es in vielen anderen Fächern und Disziplinen üblich ist.
Im Moment ist noch nicht klar, wie wir dieses Vorhaben realisieren
können, aber wie gesagt es ist im Ziel und Leistungsvereinbarungsvertrag
vorgesehen und würde eine durchaus sinnvolle Ergänzung
unserer Akademie bedeuten und sollte auf jeden Fall irgendwann in
naher Zukunft realisiert werden. Des Weiteren, als zweiter Aspekt, ergibt sich aus dem Ziel und Leistungsvereinbarungsvertrag ein Bild der Akademie, das folgendermaßen strukturiert ist: Im Rahmen einer großen Bemühung, dem Lehramtsstudium bessere Bedingungen zu schaffen, werden ab 2011 Lehramtsstudenten einen Abschluss erhalten, der das Staatsexamen möglicherweise ersetzt und die Ausbildung auf ein international vergleichbares Niveau bringt.
Da wird noch viel diskutiert und die endgültige Form, und wie die Qualifikation heißen soll, scheint noch nicht gänzlich entschieden zu sein, aber bis Herbst 2011 ist noch Zeit, das zu klären. Die Besonderheit der Ausbildung an unserer Akademie ist, dass unsere Lehramtsstudierenden unter den gleichen Atelierund Klassenbedingungen arbeiten, wie die Studenten der freien Kunst.
Sie haben natürlich eine Reihe anderer Fächer zu absolvieren, zum
Beispiel in den Bereichen Kunstgeschichte, Philosophie, Pädagogik,
Didaktik der bildenden Künste, Soziologie und Poetik und künstlerische Ästhetik.
Auf der anderen Seite haben wir unsere Klasse Baukunst, wo sich die
Studenten, die zu uns kommen, schon mindestens mit einem BA
qualifiziert haben müssen.
Dieses Studium führt zu einem Masterabschluss.
Im übrigen werden wir heute zum ersten Mal Absolventen der neuen
Klasse Baukunst ihren Akademiebrief verleihen, der einem
internationalen Diplomgrad „Master of Art“ entspricht.
Und für diejenigen unter Ihnen, die es noch nicht gesehen haben, die
Ausstellung „Dudler, Ortner, Petzinka, Schultes – Baukunst an der
Kunstakademie Düsseldorf“ ist bereits seit letzter Woche in der
Akademie Galerie zu sehen und gibt ein beeindruckendes Bild der
Lebenswerke der vier bei uns im Haus tätigen Professoren für Baukunst.
Aus der Klasse Baukunst wird die Vortragsreihe auch in diesem
Semester mit weiteren fünf Vorträgen fortgesetzt. Details hierzu können Sie dem Informationsmaterial und den Plakaten entnehmen.
Für die große Mehrheit von Ihnen, die sich hier für Kunst ohne
pädagogische Qualifikation entschieden hat, die sogenannten
Studierenden im Fachbereich Kunst, deren Arbeit selbstverständlich
hauptsächlich aus Atelierpraxis besteht, gilt nach wie vor, dass sie zum Erlangen ihres Akademiebriefs relativ wenig Scheine in den Fächern Kunstgeschichte, Philosophie und Ästhetik und einem Wahlfach nachweisen müssen.
Diese relativ geringe Zahl theoretischer Nachweise ist traditionell darin begründet, dass Studierende, die das Gefühl haben, dass solche Fächer für sie unwichtig sind, nicht unbedingt gezwungen werden sollten, diese Fächer zu studieren.
Diese großzügige Berücksichtigung der Desinteressierten sollte jedoch nicht dazu führen, dass sie sich davon abhalten lassen, sich darüber zu informieren und das vorhandene, reichhaltige Angebot der Fächer anzunehmen.
-Kunst wird nicht in einem Vakuum geschaffen.
Sie ist immer in einem geschichtlichen und kulturellen Kontext zu
begreifen.
Ich kenne keinen achtbaren Künstler, der den Kontext des Entstehens seiner Arbeit nicht auf eine persönliche und damit künstlerische Art analysiert und begreift.
Und das, was hier selbstverständlich in der Akademie häufig stattfinden muss Gespräche über Kunst und ihre Entstehung ist ohne die Begriffe, Kenntnisse und Geschichte gar nicht möglich.
In einer Zeit, in der mediale Rezensionen eine tiefere Auseinandersetzung mit der Kunst zu ersetzen drohen, ist es von äußerster Wichtigkeit, dass Studierende in der Lage sind, ihre eigenen künstlerischen Themen und ihre Haltung zu reflektieren und zu entwickeln.
Dafür bedarf es tiefer künstlerischer Analyse über das, was einen interessiert, wie man die Dinge beobachten kann, was man dann sieht, eventuell welche Ziele man hat und wie man es künstlerisch umsetzt.
Die Düsseldorfer Kunstakademie ist zu Recht stolz auf die Künstler, die in der Vergangenheit hier tätig waren und die, die heute hier tätig sind, einer wahrhaftig großen Tradition, die immer und überall Erwähnung findet. Es ist aber wichtig, auf eine zweite ebenfalls große Tradition des Hauses hinzuweisen: Die vielen eminenten, hochqualifizierten Professoren und Professorinnen, die die wissenschaftlichen Fächer bei uns hier im Haus lehren oder gelehrt haben.
Ich möchte nicht anfangen, Namen von der langen Liste von national
und international hoch angesehenen Persönlichkeiten heraus zu picken. Es reicht, zu sagen, dass sie aus einer beeindruckenden Zahl von Menschen besteht, die auf geniale Weise die Kunst und das Verständnis von Kunst begleitet, kommentiert und beeinflusst haben.
Sie sollten nicht hier studiert haben, ohne von deren Lehre profitiert zu haben. Nehmen Sie das reiche Angebot an wissenschaftlichen Fächern hier im Haus verstärkt wahr. Erkundigen Sie sich über Vorträge und Seminare, die im Haus stattfinden.
In diesem Semester wird, zusätzlich zu der bereits erwähnten Vortragsreihe der Klasse Baukunst, der Kunstkritiker und Journalist
Heinz-Norbert Jocks eine neue Reihe von Künstlergesprächen organisieren.
Es fand schon vor einer Woche ein Gespräch mit dem Künstler Gregor
Schneider statt und in der nächsten Zeit sind weitere Gespräche geplant.
Am 28. und 29. Mai findet ein Symposium zur Ausstellung „Le Grand
Geste! Informel und Abstrakter Expressionismus 1946-1964“ in
Zusammenarbeit mit dem Museum Kunst Palast statt und wird von
Professor Guido Reuter begleitet.
Und am 24. und 25. Juni findet eine Tagung „Demonstrationen der
Macht“ unter der Leitung von Prof. Ludger Schwarte statt.
Es gehört zum Selbstverständnis dieses Hauses, dass die
künstlerische Atelierpraxis in einem kulturellen Ambiente stattfindet, das eine Auseinandersetzung mit der Kunst auf höchst möglichem Niveau ermöglicht.
Jetzt will ich nicht nur als Ankündiger hier stehen und für unsere
diversen Vorträge und Seminare Reklame machen.
Und was wirklich keine Reklame brauchte, war der Rundgang 2010. Es kamen sage und schreibe fast 42.000 Besucher ins Haus, allein 11.000 Menschen an dem letzten Sonntag.
Das sagt natürlich viel über den Grad an Interesse und Ansehen aus,
das dieses Haus genießt. Aber gleichzeitig muss man sich die Frage
stellen, wohin sich das alles entwickeln soll.
Solche Zahlen sind für Sportereignisse vielleicht eher normal, wobei
man dann ein größeres Angebot an Sicherheitsvorkehrungen und
andere notwendige Einrichtungen hat Erste Hilfe, zusätzliche
Sanitäranlagen, Seelsorge u.s.w.
Wir haben uns dieses Mal mit einem Minimum an
Sicherheitsvorkehrungen begnügt um unsere Verantwortung für
Studenten, die Besucher und das Haus wahrnehmen zu können, und
trotzdem gab es manche Störungen und Irritationen.
Um dieses zukünftig zu vermeiden, werden wir vor dem Rundgang
2011 verstärkt mit den Klassenvertretern und dem ASTA darüber
sprechen, wie die Studenten selbst mit eingebunden werden können, um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten.
Trotz dieser negativen Randerscheinungen, kann dieser letzte
Rundgang als ein Erfolg für unsere Akademie verbucht werden.
Heute wollen wir erneut einige der Menschen ehren, die der Akademie große Dienste geleistet haben. Es ist mir eine besondere Ehre und ein großes Vergnügen die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen an:
Herrn Professor Konrad Klapheck,
Herrn Professor Ernst Althoff
Herrn Professor Fritz Schwegler
Herrn Professor Dr. Heinrich Theissing
Mit der Verleihung dieser Mitgliedschaft wollen wir unsere tiefe
Verbundenheit und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen.
Und jetzt kommen wir zur Verleihung der Akademiebriefe und
Meisterschüler-Urkunden.
Zunächst die Akademiebriefe.
Abschließend kommen wir zur Verleihung der Meisterschüler, einer
persönlichen Auszeichnung der Schülerinnen und Schüler von ihrem
Professor.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen noch
viel Vergnügen bei einer weiteren Darbietung des UWAGA Quartetts.

