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Ringvorlesung Wintersemester 2022/23

Naturverhältnisse. Kunst, Architektur und Politik in der Klimakrise

Angesichts einer nicht mehr zu leugnenden Klima- und Umweltkatastrophe muss die wertende Dichotomie von Kultur und Natur zugunsten einer Vielzahl von Verflechtungen und Abhängigkeiten aufgegeben werden, ohne jedoch Differenzen zu nivellieren. Dabei stellt sich die Frage nach der Rolle und dem Stellenwert der Künste. Nicht erst in der Gegenwart haben sich Kunst und Architektur dem modernen verdinglichenden Naturverständnis entzogen und waren auf besondere Weise in der Lage, neue oder alternative Verhältnisse zu erkunden und ihnen wahrnehmbare, materielle Gestalt zu geben. Nicht selten ging dies auch mit einer Hinterfragung des modernen Kunst- und Werkbegriffs einher.

Vor dem Hintergrund eines bereits voranschreitenden Klimawandels und einer im Gefolge sich zuspitzenden geopolitischen Krise stellt sich nicht nur dringend die Frage nach alternativen „Naturverhältnissen“ zu einem extraktiven und verfügenden Zugriff auf Natur mit all seinen politischen und (neo-)kolonialen Implikationen. Auch die Frage nach der Rolle und dem Stellenwert der Künste stellt sich mit noch größerer Radikalität. Das Thema erweist sich derzeit auch in den wichtigen Ausstellungen als eines der wesentlichen Themen der Kunst unserer Zeit. Doch was heißt es für die Kunst auf die Klimakrise zu reagieren? Liegt darin eine Beschneidung der künstlerischen Freiheit oder vielmehr der Anlass zur Transformation überkommener Kunstverständnisse? Und was bedeutet dies nicht nur für die künstlerische Produktion, sondern auch für die Institutionen der Kunst wie Kunstakademien, Museen, Galerien?

Die Kunstakademie Düsseldorf kann nicht nur auf eine gewisse Vorgeschichte und Gegenwart der Verbindung von Kunst und Ökologie blicken, sondern hat mit der Entstehung einer Klima-AG und der Veranstaltung der Klimagerechtigkeitswoche „re:ac now“ auch die Frage nach alternativen Organisationsformen aufgeworfen. Die Ringvorlesung setzt diese Auseinandersetzungen fort, indem sie mit Künstler*innen, Architekt*innen, Theoretiker*innen und Kurator*innen nach der Rolle und den Möglichkeiten der Künste und ihrer Institutionen im Klimawandel fragt.

Die Ringvorlesung findet Dienstags von 18-20:00 (Beginn 18.10.) im Hörsaal (R224) statt.

Eine digitale Zuschaltung ist auch möglich:
https://us02web.zoom.us/j/85347572338?pwd=eGc1VzVtQWVOQ1RqajJrZFN1V21ydz09

Meeting-ID: 853 4757 2338

Kenncode: 400707

Organisiert von Robert Fleck und Francesca Raimondi in Kooperation mit der Klimagruppe der Kunstakademie Düsseldorf



Relations of Nature. ​Art, architecture and politics in the climate crisis.

In the face of a climate and environmental catastrophe that can no longer be denied, the judgmental dichotomy of culture and nature must be abandoned in favor of a multiplicity of interconnections and dependencies, but without leveling differences. This raises the question of the role and status of the arts. It is not only in the present day that art and architecture have eluded the modern reifying understanding of nature and have been in a special position to explore new or alternative relationships and to give them perceptible, material form. Not infrequently, this was also accompanied by a questioning of the modern concept of the artwork.

Against the background of an already advancing climate change and a geopolitical crisis in its wake, the question of alternative "relations of nature" to an extractive and dispositive access to nature with all its political and (neo-)colonial implications is not only urgent. The question of the role and place of the arts also arises with even greater radicality. The subject is currently proving to be one of the essential themes of the art of our time, even in the most important exhibitions. But what does it mean for art to respond to the climate crisis? Is this a curtailment of artistic freedom or rather the occasion for the transformation of outdated understandings of art? And what does this mean not only for artistic production, but also for art institutions such as art academies, museums, galleries?

The Art Academy Düsseldorf can not only look at a certain historical as well as present concern with the connection between art and ecology, it has also raised the question of alternative forms of organization with the emergence of a climate working group and the organization of the climate justice week "re:ac now". The lecture series continues these debates by asking artists, architects, theorists and curators about the role and possibilities of the arts and their institutions in climate change. With an excursion to the Emscher Art Trail, where art can be seen in the ruins of an extractive economy, and a concluding panel discussion at K20, it also brings these questions into the city and its own environs.

The lecture series will be held on Tuesdays from 18-20:00 (start 18.10.) in the lecture hall (R224).

A digital connection is also possible:

Zoom-Link: https://us02web.zoom.us/j/85347572338?pwd=eGc1VzVtQWVOQ1RqajJrZFN1V21ydz09

Meeting-ID: 853 4757 2338

Kenncode: 400707

Organized by Robert Fleck and Francesca Raimondi in cooperation with the Climate Group of the Art Academy Düsseldorf


Programm

Di./Tue. 18.00-20.00 Uhr, Hörsaal (R224)


18.10. Einführung von Robert Fleck und Francesca Raimondi

25.10. Aneta Rostkowska: Plant-thinking in Art Institutions

01.11. Allerheiligen (Feiertag): Ausflug Emscher-Kunstweg

08.11. Studentische Initiativen von verschiedenen Kunsthochschulen: Pflicht zur Hoffnung

15.11. Cornelia Escher und Jaume Mayol: Architecture and Ecology: Re-designing and Re-conceptualizing Relations of Nature

22.11. Birgit Althans, Mirjam Lewandowsky, Fiona Schrading und Janna R. Wieland: Affektive Landschaften

29.11. Susanne Fasbender: BRANDSPUREN. Epilog zur Unterscheidung – Von der eurozentrischen Aneignungslogik zur Entuferung des Weltenbrandes

06.12. Materialisation künstlerischer Ideen angesichts endlicher Ressourcen. Gespräch über die Bedeutung der zentralen Einrichtungen für die künstlerische Lehre der Zukunft

13.12. Ist das Künstlerische Freiheit oder kann das weg? Gespräch mit Johann Otten und der Bühnenbildklasse

10.01. Ludger Schwarte: Wege aus der Krise – die Architektur der Umwelt

17.01. Martina Dobbe: 1967/2017: Nonsites und (anders) situierte Kunstwerke

24.01. Susanne Henning und Claudia Schmacke: water works

31.01. Hans Haacke: Ökologische Arbeiten seit 1965

07.02. Kunstinstitutionen in der Klimakrise. Ein Gespräch mit Museumsleiter*innen